Der Hintergrund

Während des zweiten Weltkrieges, zwischen 1942 und 1944, trieb die Besatzungsmacht 25.835 Juden sowie Sinti und Roma aus Belgien und Nord-Frankreich in der Dossinkaserne zusamen (damals: SS-Sammellager Mechelen). Von hier aus wurden sie ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Nur 1.221 Mensch überlebten, weniger als 1%. Um daran zu gedenken, wurde 1995 das Jüdische Deportations- und Widerstandsmuseum eingeweiht, das jedoch manchmal Gruppen wegen seines begrenzten Platzes nicht empfangen kann.

Ab 2001 reiften allmählich die Pläne für ein komplett neues Museum, was die vollständige Unterstützung der flämischen Regierung fand. Nach einem internationalen Architekturwettbewerb und anschliessender Beratung mit den Anwohnern starteten im September 2009 die Arbeiten für das ambitioniete Projekt "Kazerne Dossin: Memorial, Museum und Dokumentationszentrum über Holocaust und Menschenrechte".

Die Ausführung

Auf dem Standort des ehemaligen "IKA-Gebäudes", gegenüber der eigentlichen Kaserne, entsteht ein neues Museum mit internationaler Anziehungskraft. Der vordere Teil der Kaserne selbst wird zu einem Teil als Archiv und Dokumentationszentrum, zum anderen als Raum der Besinnung eingerichtet. Diese zwei Einheiten - Museum und Kaserne - werden durch einen Platz mit einem Monument, Bäumen und Fusswegen verbunden.

AWG Architekten, unter Leitung von bOb van Reeth, entwarf das neue Museum in einer hellen Farbe. Wie ein Leuchtfeuer in der Umgebung, das nachdrücklich auf den Platz des Geschehens hinweist, zugleich aber eine positive Botschaft der Hoffnung ausstrahlt. Das Museum erhält die Form eines grossen Fünfeckes, mit grossen Glaspartien und vier Stockwerken.

 

Die Zielstellung

Die Dossinkaserne ist vor allem der richtige Ort, um das Gedenken an das "Belgische Stück" der Judenverfolgung zu bewahren. Auch und vor allem, wenn die letzten Zeugen bald nicht mehr unter uns sein werden. So soll es eine Dauerausstellung über die Verfolgung der Juden und Sinti und Roma und einen Anriss der Menschenrechtsproblematik geben, das weit grössere Thema "Menschenrechte" soll dann ebenso über thematische Wechselausstellungen angesprochen werden.

Erinnerung an die Gefahren totalitären Denkens, die Warnung, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist: Das ist der Kernauftrag.

Die Infrastruktur soll vollständig auf die Bedürfnisse von Schulen und internationalen Besuchern abgestimmt sein. Das Ziel sind insgesamt etwa 100.000 Besucher im Jahr. Damit wird Kazerne Dossin eine neue historische Referenzadresse in Europa, den bekanntesten Holocaustmuseen ebenbürtig und mit ihnen zusammenarbeitend.